Abenteuer im Software-Support
Ich bin ein Supportmitarbeiter
Ich habe Abschlüsse in Buchhaltung, Public Relations, Marketing,
Wirtschaftswissenschaften, Elektrotechnik und Suaheli.
Selbstverständlich kann ich Ihnen erklären, warum auf der Liste welche sie
vorige Woche mit unbekannten Filtern gezogen haben, nicht das gleiche steht wie
auf Ihrem Excel-Sheet.
Ich bin ein Supportmitarbeiter. Man erwartet von mir, dass ich jede Sprache
spreche. Ich erkenne sofort, dass Sie wenn Sie "Feld A in Liste B" sagen,
natürlich "Feld C in Liste D" meinen. Auch verstehe ich, dass "Hier läuft gar
nichts mehr!" natürlich nur bedeuten kann, dass der Direktor Papierstau im
Drucker hat.
Ich verneige mich respektvoll vor der unglaublichen Erfahrung, die Sie in den 8
Monaten seit Ende Ihrer Ausbildung bereits im Hotelfach sammeln konnten. Ich
selbst kenne mich da praktisch kaum aus.
Meine Firma gewährt mir rund um die Uhr Zugriff auf alle internen Informationen,
so dass ich Ihnen Detailfragen zu Ihrer Supportrechnung von 1991
selbstverständlich auch in der Nachtschicht beantworten kann. Natürlich mache
ich Ihnen Sonntag um 23 Uhr auch noch schnell ein aussagekräftiges Angebot für
eine Neuinstallation inklusive aller Schulungen.
Ich bin mir bewusst, dass Ihr Hotel „Zur Blauen Plunze“ das Hauptquartier einer
weltumspannenden Hotelkette ist, deren Kundentreue allein für das Fortleben
meiner Firma wesentlich ist. Natürlich lüge ich, wenn ich Ihnen sage, dass die
fehlerhaften Statistiken aufgrund von wahllosen Änderungen in den Stammdaten
entstanden sind, die einer Ihrer Mitarbeiter vorgenommen hat. Ich brauche ja nur
einen Knopf zu drücken, dann ist alles wieder schön.
Ich bin ein Supportmitarbeiter. Ich kann problemlos 25 Telefonanrufe annehmen,
17 Onlineverbindungen haben, 12 Emails beantworten und für Sie am Telefon eine
kurze Mailingschulung abhalten – alles gleichzeitig.
Ich weiß alles über Hardware, Software (auch von anderen Firmen als unserer),
das Internet und Produkte unserer Mitbewerber. Wenn unsere Produkte nicht so
funktionieren wie sie sollen (oder wie Sie wollen), bin ich selbstverständlich
persönlich dafür verantwortlich. Mir ist klar, dass Sie eigentlich Fragen zu
Word haben ... wer kann schon MICROS von MICROSOFT unterscheiden?
Natürlich behandle ich ihr kleines Listenproblem bevorzugt. Was stört es mich,
dass da 4 andere Hotels mit je 600 Anreisen einen Servercrash hatten?
Man erwartet von mir, dass ich freundlich, mitfühlend und einfühlsam bin, unsere
Kunden tröste, ihnen gut zurede, kurz angebunden und sachlich oder gesprächig
bin (und weiß, wann welche Variante angebracht ist), singe, tanze und für Sie
jede Differenz in Ihrer Buchführung finde.
Ich bin ein Supportmitarbeiter. Ich tue alles... und versuche beschäftigt
auszusehen, wenn der Supervisor in der Nähe ist.
Support: "Was für eine Art Modem haben Sie denn?"
Caller: "Windows!"
Support: "Ist ihnen bekannt, ob ihr Modem funktioniert?"
Caller: "Das muss funktionieren, ich habe ja gerade die Datensicherung
problemlos gemacht."
Support: "(winsel) Das hat nicht wirklich etwas miteinander zu tun ..."
Support: "Lesen Sie mir bitte vor, was auf dem Bildschirm steht"
Caller: "Da steht nichts"
Support: "Da müsste aber was auf dem Bildschirm stehen. Bitte lesen sie mir das
vor"
Caller: "Da ist nichts"
Support (verzweifelt, überprüft, ob der PC und der Bildschirm an ist, alles
scheint OK): "Steht denn da wirklich nix auf dem Schirm?"
Caller: "nein"
Support (hört eine Stimme im Hintergrund): "Aber ich höre doch, wie ihr Kollege
im Hintergrund "mounting volume prog" sagt.
Steht das auf dem Bildschirm?" Caller: "ja, aber ich kann kein Englisch"
Support: "argh!"
Support: "Bitte drücken sie die Tasten Steuerung, Alt und entfernen
gleichzeitig."
Caller: "Wo ist denn die Taste "Steuerung"?
Support: "Die ist ganz unten links auf der Tastatur, es steht "STRG" drauf"
Caller: "Ach so, Sie meinen STRONG! Warum sagen sie das nicht gleich"
(Varianten sind STRING, STRANG oder - mein persönlicher Favorit - STRANGE)
Support: "Bitte klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Icon "Modem"
Caller: "Mit dem Mittelfinger oder mit dem Zeigefinger?"
Support: "Welche Version von Fidelio haben Sie?"
Caller: "Fidelio? Wir haben kein Fidelio..."
Support: "(womit habe ich das verdient?)"
Caller: (wird vom Kollegen angesprochen) "jetzt nicht, ich telefoniere gerade
mit Microsoft!"
Support: "Nein, das tun sie nicht!"
Support: "Was kann ich für Sie tun?"
Caller: "Meine EDV-Leiste piept, können Sie sich mal einwählen und das
abstellen?
Support: ??? WTF??? (es stellte sich heraus, dass die USV gemeint war, welche
einen Warnton wg. leerer Batterie abgab)
Support: "Was für ein Betriebssystem haben Sie denn? Haben Sie schon Windows
2000 oder noch NT?"
Caller: "Nee, ich glaube wir haben Windows 99."
Anrufer im Support haben auch ihr ganz eigenes Vokabular:
| wenn der User sagt ... |
dann meint er eigentlich ... |
| Pennyware, Sympatex Anywhere |
Symantec PCanywhere |
| remote user discounted |
remote user disconnected |
| strong, stange, strang, string |
Steuerung (STRG-Taste) |
| enter your Logis name |
enter your login name |
| call around |
call remote |
| Error infiziert Modem |
error initializing modem |
| available obsessions |
available options |
| misselangles |
miscellaneous |
| confecting |
connecting |
|